SPACES IV - Die ark e.V. in Erfurt 

Künstlerinnen und Künstler aus Thüringen und Rheinland-Pfalz im Dialog

 

v.l.n.r.: Thomas Preusser, Kultur- und Schulverwaltungsamt Stadt Koblenz, Isa Steinhäuser, Ute Krautkremer, Dorothea Kirsch, Ulrich Westerfrölke, Eva Maria Enders, Aloys Rump, Violetta Richard, Firouzeh Görgen-Ossouli, PD Dr. Margit Theis-Scholz, Beigeordnete und Schul-und Kulturdezernentin der Stadt Koblenz                                                                     ©Isa Steinhäuser

 

Bereits zum 4.Mal traten der arbeitskreis rheinland-pfälzischer künstler e.V. zusammen mit dem verband bildender künstler thüringen e.V., dem Kulturamt der Stadt Koblenz und der Kulturdirektion der Stadt Erfurt in der Galerie Waidspeicher in den Dialog.


SPACES IV folgt den bereits stattgefunden Ausstellungen  SPACES I  in Koblenz im Jahr 2011, damals noch mit Werken beider Vereine zusammen, SPACES II in Erfurt, 2012, und SPACES III in Koblenz im vergangenen Jahr.


Die Künstlerinnen und Künstler Maike Baur, Iris Brahm, Eva Maria Enders, Firouzeh Görgen-Ossouli, Dorothea Kirsch, Ute Krautkremer, Violetta Richard, Aloys Rump, Jan Schröder, Isa Steinhäuser und Ulrich Westerfrölke stellen ihre Sichtweisen von Räumen durch die unterschiedlichsten Werke dar. Zu sehen sind unter anderem Objekte, fast fliegend im Raum, bodenständige Skulpturen, Installationen, die die Zeit als Raum wahrnehmen, aber auch Werke, die durch formale Herangehensweise den Bezug herstellen. In der Ausstellung sind alle Genres vertreten, sei es die klassische Malerei oder Grafik, Objekt, Installation oder Fotografie.


Zur Eröffnung am 15. September in Erfurt sprachen Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Museen und PD Dr. Margit Theis-Scholz, Beigeordnete und Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Koblenz, die Begrüßungsworte. Beiden ist die Förderung der kulturellen Landschaft ein Anliegen und diese, von der ark e.V. und dem vbkth e.V. , gelebte Form ist ein großer Schritt in die zielführende Richtung.


Frau Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland, Kunsthistorikerin und stellvertretende Sprecherin des VBK Thüringen e.V. nahm die Zuschauer zu einer verbalen Führung durch die Ausstellung mit, bevor die Gäste, nun sehr neugierig geworden, die Werke selbst in Augenschein nahmen.


Für die musikalische Begleitung sorgten Johannes Gräber, Kontrabass, mit Kace Kaufmann, Vibraphone. Ihre freien Interpretationen schafften auch für das Ohr reichlich Räume und fügten sich harmonisch in das Konzept des Projektes SPACES ein.


Die Ausstellung ist noch bis zum 4. November in der Galerie Waidspeicher, Michaelisstraße 10, dienstags bis sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr, in Erfurt zu sehen. Am ersten Dienstag im Monat werden dort um 16.30 Uhr öffentliche Führungen angeboten. Ein Besuch lohnt sich.
Weitere Informationen: www.vbkth.de 

Sehr geehrte Frau Dr. Theis-Scholz,

sehr geehrter Herr Preusser, 

lieber Herr Dr. Schierz,

liebe Susanne Knorr,

lieber Johannes Gräbner und lieber Kace Kaufmann,

liebe aus Rheinland-Pfalz angereiste Künstlerinnen und Künstler von der Arbeitsgruppe Rheinland-pfälzischer Künstler

sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

 

auch wir als Verband Bildender Künstler Thüringen e.V.,
für den ich hier stellvertretend sprechen darf möchten Sie alle sehr herzlich willkommen heißen!

Willkommen zu einer Ausstellung, auf die wir uns schon seit vergangenen November gefreut haben, als wir unsererseits mit elf künstlerischen Positionen in Ihrem schönen Ausstellungsgebäude, dem Haus Metternich in Koblenz zu Gast waren und Ihre warmherzige Gastfreundschaft genießen durften. 

Liebe Kunstfreunde,
es ist ja in der zeitgenössischen Kunstszene nicht selbstverständlich, dass Künstlerinnen und Künstler selbst die Initiative ergreifen und Ausstellungsprojekte nicht nur auf den Weg bringen, sondern auch aufrechterhalten. Das bedarf vieler Mitstreiter und Unterstützer - auf finanzieller und moralischer Ebene, denen wir hier sehr herzlich danken:

- der Stadt Koblenz mit Ihrem Kultur- und Verwaltungsamt,
- der Stadt Erfurt
- und auch der Sektkellerei Fürst von Metternich,

Vor allem aber bedarf großer Einsatzbereitschaft, die nur aus wahrer Passion entstehen kann und aus der gelebten Überzeugung, dass Kunst aus Dialog entsteht – oder zum Dialog führt.

So waren ja die ersten SPACES-Ausstellungen tatsächlich auch unmittelbare Dialoge, wo Positionen aus Rheinland-Pfalz und aus Thüringen sich in einer Ausstellung gegenüber standen.

Das neue kuratorische Konzept hat demgegenüber den Vorteil, dass einfach mehr Raum für Besuch und Gegenbesuch zur Verfügung steht. Das tut beiden Ausstellungen gut, wie Sie hier in der Galerie im Waidspeicher bestimmt schon auf den ersten Blick erkannt haben.

Wir sind sehr glücklich, dass wir dank der Unterstützung durch die Stadt Erfurt mit der Galerie im Waidspeicher ein Ausstellungsforum bespielen können, das – wie das Haus Metternich in Koblenz- seine unverwechselbare Atmosphäre aus seiner historischen Substanz gewinnt. Zeitgenössische Kunst hat hier immer wieder einen Chance, sich in einem historischen Umfeld zu beweisen und neue ästhetische Erlebnisse zu hervorzurufen. 

Nun sind sie also mit Arbeiten von elf Künstlerinnen und Künstlern aus Rheinland-Pfalz zu uns nach Erfurt gekommen. Diese künstlerischen Positionen möchte ich kurz ansprechen und durchaus auch auf den großen Themenrahmen SPACES beziehen, selbst wenn das die Gefahr in sich birgt, etwas krampfhaft nach bestimmten Aspekten zu suchen; andererseits aber kann die Befragung hinsichtlich bestimmter bildnerischen Kriterien die erste Annäherung an eine künstlerische Position doch unterstützen.

Gehen wir streng alphabetisch vor und bewegen uns in Gedanken durch die beiden Geschosse des Waidspeichers:

Maike Baur

POSITIONS ist eine Serie von Fotografien mit einheitlich weißem Hintergrund, also in einem nicht realen, sondern imaginären Raum; dabei sind die als Studien des weiblichen Körpers bezeichneten Ansichten zusammengekauerter Akte – arrangiert und aufgenommen in immer demselben Schema - so ausgeleuchtet, dass sich hier nun eine sehr plastisch-skulpturale Wirkung eröffnet: Unter anderem geht es auch um Beziehungen von Körper und Raum.

Iris Brahm

COSMA erleben wir im Waidspeicher als raumgreifende Installation, bei der die Materialität in ihrem Überfluss ebenso eine Rolle spielt wie die sich ausbreitende, fließende Erweiterung des Begriffs Kleid. Es ist die Verbindung von Motiven wie Hülle, Schutz, Schmuck in augenfälliger Überhöhung und einer Inszenierung, die eine surreale, dramatische Aura erzeugt.

Eva Maria Enders

ARRONDI
Ging es eben um ein Sich Ausdehnen, um ein Hereinfließen in den Raum, dann vollzieht Eva Maria Enders gerade in ihren Arrondis, diesen kreisrunden Arbeiten eine entgegengesetzte schöpferische Strategie: Das Prinzip der abgerundeten, durch die strenge Kreisform auf sich selbst bezogenen Komposition verleiht ihrem Thema der inneren Landschaften als Essenz von Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebtem besonderen Nachdruck. Innerhalb der strengen Kreisform, deren symbolische Verweiskraft zusätzlich unendlich vielfältige Anknüpfungspunkte bereithält, vollzieht sie anschaulich die Konzentration auf die bildnerischen Mittel, die Materialität und das, was sie heraufbeschwören können

Firouzeh Görgen-Ossuli

THE SPACE I’M IN
Space ist hier als Lebenswelt zu verstehen, eine Lebenswelt die in stetiger Transformation, im Wandel und in Veränderung wahrgenommen wird. Ihre Beschreibung geschieht poetisch auf der Grundlage der Fotografie, doch die Bilder werden bearbeitet und komponiert zu Collagen von Einzelformen, Vexierbildern von in der Natur vorgefundenen Strukturen, die mehr erahnt und erfühlt, als erkannt werden sollen.

Dorothea Kirsch

Die AUSTERN sind ganz leichte, eigentlich unkörperliche Objekte, die ebenfalls Assoziationen zu Naturformen heraufbeschwören (Larven, Flügel, aber auch Aliens und Flughunde … mit solchen Bildern hilft Dorothea Kirsch unserer Phantasie auf die Sprünge) und dabei auf wuchernde, schwebende und schwingende Weise in den Raum greifen und ihn zu einer Bühne für rätselhafte Gestaltfindungen machen. 

Ute Krautkremer

betreibt SPURENSICHERUNGEN durch ein ganz ungewöhnliches Abgussverfahren: Papierabformungen, die als Hohlkörper negative Skulpturen bilden. Aber es geht um weit mehr als die pflanzliche Gestalt, die bewahrt und in ihrem Reichtum bewundert werden soll. Es geht auch um sondern um das Wachsen, Sein und Gewesen-Sein und um eine einprägsame Bildfindung für diesen Prozess. Damit kommt ein weiterer Raumbegriff ins Spiel … der des Zeitraums. 

Violetta Richard

GEDANKENwurf

Die Grenzen des Raumbegriffs beschäftigen auch Violetta Richard. Sie nähert sich analysierend, konstruierend und auch erprobend der „Frage nach Raum, Grenze und deren Auflösung“. Dabei interessiert sie das „Dazwischen“ und von dort ausgehend die Suche nach dem, was nur die Kunst zeigen kann; dem was jenseits des optisch-physiologischen Sehens wahrgenommen werden kann.

Aloys Rump

HIRNSCHALEN
Das was man nicht sieht, ist auch Thema der großen Rauminstallation von Aloys Rump. In der Serie HIRNSCHALEN setzt er sich mit dem Raum auseinander, wo der Geist doch wohl angesiedelt ist, mit dem Schädel. In der Tradition des Hamlet-Monologs angesichts des Schädels des Yorick geht es ihm darum, über den Schädel als Gefäß des Geistes – vielleicht auch des Genies … ? – zu reflektieren.

Jan Schröder

ZWEIGE
So wie Aloys Rumps Installation reflektierend abgeschritten werden will, so geht es auch in Jan Schröders großer Holzschnittserie um eine Reflexion entlang eines Weges – und somit innerhalb eines Zeitraums, allerdings mit ganz anderen Mitteln. Die Methode der Annäherung an Naturformen wurde sehr nachvollziehbar mit der eines Haikus verglichen, jener Miniaturform der Lyrik, in der - gefasst in eine vorgegebene Form - das, was nicht viel Raum einnimmt, dennoch für das ganz Große steht.

Isa Steinhäuser

ZWISCHEN DAVOR UND DANACH
Raumgreifend arbeitet auch Isa Steinhäuser in zwei, sich aufeinander beziehenden vielteiligen Bildserien. Und sie beschwört einen speziellen Raum – Gänge und Räume einer Klinik, mit allem, was sich damit an Vorstellungen und Bildern assoziiert. Wir sehen aber in den C-Prints und den Bildtransfers auf Aquarellpapier nur das Vorbeiströmen des Alltags und des Lebens, das außerhalb dessen abläuft, was den Wartenden in diesen Räumen eigentlich umtreibt. Es entsteht der Eindruck isolierter Einsamkeit in belebten Räumen

Ulrich Westerfrölke

ZEITGRAFIKEN
Abermals wird das Phänomen des Zeitraums auch von Ulrich Westerfrölke aufgegriffen. Seine Installationen verändern sich langsam, aber stetig. Quarzuhrwerke setzen Mechaniken in Gang, die beweglich gelagerte Bildelemente wie Stangen, Flächen oder Blechstreifen hin- und her bewegen oder umformen. Weil verschiedene (Stunden- und Minuten-)Laufwerke kombiniert werden, ist es „nahezu ausgeschlossen, dass sich ein Bild zu einem vorhersehbaren Zeitpunkt wiederholt.“ Zitat: „Aus der ursprünglich durch die Stellung der Zeiger quantitativ ablesbaren Uhrzeit entstehen qualitative Beziehungen von Flächen, grafischen Strukturen, Innen – Außen usw., die sich ständig verändern und zu jedem Zeitpunkt als Bild funktionieren.“

Das Stichwort ist gefallen: „die quantitativ ablesbare Uhrzeit“: Ich habe jetzt genug geredet und wünsche uns allen einen wunderschönen Abend und allen Beteiligten eine erfolgreiche Ausstellung!

Einladung und Informationen zur Ausstellung in Erfurt
SpacesIV.pdf
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Ausstellungsprojekt
„SPACES – Künstlerinnen und Künstler aus Thüringen und Rheinland-Pfalz im Dialog“ 


Der Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. (VBKTh) hat in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Rheinland-Pfälzischer Künstler e.V. (ark), dem Kulturamt der Stadt Koblenz und der Kulturdirektion der Stadt Erfurt zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt SPACES aufgerufen. Das Projekt ist als Dialog angelegt und knüpft an „SPACES I“ in Koblenz (2011), „SPACES II“ in Erfurt (2012) und „SPACES III“ in Koblenz (2017) an. Angeregt wurde der Ausstellungsdialog durch die Künstlerin Eva Maria Enders (Koblenz / Jena), die Mitglied der ark und im VBKTh ist.

 

https://www.vbkth.de

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ark e.V. c/o Eva Maria Enders, Erlenweg 27, 56075 Koblenz