06. - 23. August 2020, Vernissage: 06. August 2020, 16.00 Uhr

Haus Metternich, Münzplatz, Koblenz

Die Einladung: 

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Der Katalog:

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Zum Kultursommer Rheinland-Pfalz startet die arbeitsgruppe rheinland-pfälzischer Künstler e.V. eine aussergewöhnliche NEXUS (aus dem Lateinischen: Das Zusammenknüpfen) Serie.

 

Die KünstlerInnen treten mit ihren Werken, sei es Malerei, Bildhauerei, Fotografie oder Installationen in den Dialog mit der nordischen Kulturwelt und präsentieren ihre Auseinandersetzung in einer vielseitigen Ausstellung.

 

Mit der nordischen Landschaft und dem Dichter Jon Fosse tritt Eva Maria Enders mit einer großformatigen Malerei in den Dialog. Helke Stiebel bildet mit reduzierten Landschafts - Fotografien Stimmungen ab, die sie bei einer Reise während der Sommersonnenwende durch den Stockholmer Schärengarten empfunden hat. 

Die norwegische Sängerin Marie Boine inspirierte Stefanie Schmeink zu mit viel Schwung gemalten Bildern. Von der Musik ist auch Jan Schröder beeinflusst. Er verknüpft die Peer Gynt Suite von Edvard Grieg mit seiner Kindheit und sein Holzschnitt eröffnet Einblicke in das damals Erfahrene.

Jedem ist der Schrei von Edvard Munch bekannt; Aloys Rump lässt ihn durch eine gewaltige Bildkomposition neu erleben.

Es sind vielfältige Werke zu sehen und kaum eine Sparte der nordischen Kulturwelt bleibt ausgespart. Die Edda und der Weltenbaum sind die Grundlagen zu der Installation von Claudia Pomowski, die nordische Götterwelt findet Ausdruck in den Skulpturen von Rita Thompson. Jeanne Boden stellt sich Fragen zu der geheimnissvollen schwedischen Malerin Hilma af Klint und lässt sich von der Lebensgeschicht zu ihren Arbeiten inspirieren. 

Die Gegenwart ist in der Fotocollage von Ferry Görgen Ossouli und der tierischen Installation von Iris Stephan in den Fokus des künstlerischen Dialoges getreten. 

Christel Hermann und Rolf A. Kluenter beziehen sich auf Soren Kierkegaard, aber unterschiedlicher können die Arbeiten nicht sein. 

Die Runenschrift ist der Ausgangspunkt für die großformatige Skulptur von Colin Murphy. Das Wort Runen bedeutet in der Übersetzung Geheimnis und genau dies strahlt die aus Papierschalen bestehende Skulptur aus. 

Daniela Polz ist mit einem Webstück, eine Hommage an Hannah Ryggen, verteten. 

Ulrike von Quast, Klaus Hans Findl, Inke Steinacker, Ines Braun, Isa Steinhäuser, Arek Głębocki und Vera Zahnhausen vervollständigen mit ihren Fotografien, Malereien und Installationen das nordische Kulturbild der KünstlerInnen der arbeitsgruppe rheinland-pfälzischer Künstler.

In den nächsten Jahren hat der Kultursommer RLP alle anderen Himmelsrichtungen zum Thema. Mit Nexus – Nordlichter startet die ark e.V. und wird in den folgenden Jahren den künstlerischen Dialog mit allen Himmelsrichtungen fortsetzen. Es erscheint jeweils ein Katalog und am Ende der Ausstellungsserie ist ein künstlerischer Blick auf ganz Europa gelungen.

 

 

Nexus Nordlichter: eine reichhaltige Hommage an „den Norden“ und an das Leben

Ein Text von: Jeanne Boden, Brüssel    https://jeanneboden.com/

 

Am 6. August 2020 wird im Haus Metternich in Koblenz die Ausstellung Nexus Nordlichter eröffnet. 22 Künstler haben einen Dialog mit dem Norden geführt. Die Ausstellung umfasst Skulpturen, Installationen, Fotografien und Gemälde, die speziell für diese Ausstellung geschaffen wurden. Die Kunstsammlung bezieht sich auf unzählige künstlerische, kulturelle und mythologische Traditionen aus dem Norden. Der zeitgenössischen Dialoge dieser Künstler mit der Vergangenheit zeigt, wie wir als Menschen in der gesamten Geschichte der Menschheit mit denselben idealistischen Sehnsüchten und existenziellen Ängsten konfrontiert wurden. Unsere Ehrfurcht und Angst vor der Natur und dem Übernatürlichen, unser Drang nach künstlerischem Ausdruck, unsere Sehnsucht nach Sicherheit und Schutz, die zu Institutionen führen, mit denen wir uns als Individuen nicht mehr identifizieren können, unser Bedürfnis nach Symbolik, die Dinge repräsentiert, die höher sind als das Leben, waren die Themen  der nordischen Sprachwelt welche die Arbeiten der Künstler dominieren.

 

Nexus Nordlichter ist eine Hommage an den nordeuropäischen Tanz, Gesang, Musik, Kunst, Literatur, Poesie, Philosophie, aber auch an Mythologie und Natur. Fülle ist das richtige Wort, um diese Ausstellung zu beschreiben: Sie ist tief, lebendig, reflektierend, sensibilisierend und setzt sich mit Vergangenheit und Gegenwart auseinander.

 

Das Betrachten dieser Ausstellung erfordert nicht nur einen Blick auf die Namen der Künstler und die ästhetischen Objekte, die sie hier und jetzt geschaffen haben, sondern auch eine Untersuchung der Referenzen in den Texten, die ihren Kunstwerken beiliegen. Die gesamten Werke, die den kulturellen Norden abbilden, führen zu einer Art Enzyklopädie, die in alle möglichen Wege und Richtungen führt und uns an viele Orte im Norden bringt, aber vielleicht noch wichtiger, uns tief in unseren eigenen Verstand und unser Herz und unsere existenziellen Kämpfe hineinbringt.  Die Künstler haben sich von den nördlichen Ländern Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Sibirien und Russland inspirieren lassen oder sind noch weiter nach Norden in Richtung Nordpol gezogen. Sie haben das Konzept des „Nordens“ als Repräsentation und Symbol untersucht. Der nördliche Raum wird nicht nur ausgiebig erforscht, die Kunstwerke decken auch einen übergreifenden Zeitraum ab. Die Kunstwerke beziehen sich auf Megalithen aus der Jungsteinzeit über Traditionen, die vom 9., 12., 18., 19. und 20. Jahrhundert bis heute zurückreichen. Die künstlerische Untersuchung und der künstlerische Dialog erstrecken sich auf epische, mythologische und schamanistische Traditionen. Sie untersuchen die Evolution der Menschheit und ihre Ansichten zu Natur und Wissenschaft.

 

Musikalische Referenzen reichen von Komponisten wie Jean Sibelius, Edvard Grieg, Dmitri Schostakowitsch und Peteris Vasks über schamanistische Sami-Lieder bis hin zum Jazz. Philosophische, literarische und poetische Traditionen mit Kierkegaard, Henrik Ibsen und Georg Buchners Woyzeck führten uns zum Existentialismus, zur Gesellschaftskritik, die die Position des einzelnen Menschen in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft ideologisch und wissenschaftlich in Frage stellt. Die Inspiration aus der nordischen Kunst umfasst Künstler, die innovativ waren (Hilma af Klint war die erste abstrakte Malerin vor Wassily Kandinsky), existenziell (Edvard Munch), politisch engagiert (Hannah Ryggen) und Künstler, die tief mit der Natur verbunden sind (Akseli Gallen-Kallela).

 

Nach der Besichtigung der Ausstellung haben die Zuschauer nicht nur viele reiche künstlerische und kulturelle Traditionen des Nordens kennengelernt, sondern auch die intensive Auseinandersetzung jedes Künstlers mit dem Leben, der Gesellschaft, politischen und globalen Tendenzen erlebt. Themen wie die globale Erwärmung, rechtsgerichtete Tendenzen in der heutigen Gesellschaft, die menschliche Verfassung und die existenzielle Krise der Menschheit ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. In einer Vielzahl ästhetischer Sprachen haben diese zeitgenössischen Künstler dem Norden und ihren ehemaligen seelenverwandten Kollegen aus längst vergangenen Zeiten Respekt und Ehre erwiesen. Durch die Verbindung mit der Vergangenheit haben sie eine Ausstellung geschaffen, die sehr zeitgemäß ist und heute den Finger am Puls der Zeit hält. Mit dieser Ausstellung tragen sie zum Weckruf über die Zeiten bei, in denen wir heute leben. Das Coronavirus, die Sperrung, der Druck in der Gesellschaft und die zunehmende globale Erwärmung haben uns alle getroffen. Es hat Unsicherheit gebracht, die uns den „Norden“ und unseren Orientierungssinn verloren hat. Es zwingt uns zu existenziellen Überlegungen darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Seit Jahrtausenden haben Schönheit und Kunst jedoch die menschliche Vitalität entfacht. Es wird weiterhin unser Leben funkeln lassen. Das ist unsere Hoffnung für die Zukunft.

 

 

Nexus Nordlichter: an abundant tribute to “the North” and to life

On August 6 2020 the exhibition Nexus Nordlichter opens at Haus Metternich in Koblenz. 

22 artists have engaged in a dialogue with ‘the North’. The exhibition encompasses sculptures, installations, photography and paintings, especially created for this show. The collection of artworks refers to countless artistic, cultural, and mythological traditions from the North. This artist’s contemporary dialogue with the past reveals how we as human beings have been confronted with the same idealist longing and existential fears throughout the history of mankind. Our awe and fear for nature and the supernatural, our urge for artistic expression, our longing for security and protection resulting in institutions that we as individuals cannot identify with anymore, our need for symbolism representing things higher than life have been the topics of our Nordic ancestors and continue to dominate our lives today. 

Nexus Nordlichter is a tribute to northern European dance, singing, music, art, literature, poetry, philosophy, but also to mythology and to nature itself. Abundance is the right word to describe this exhibition: it is deep, vibrant, reflective, awareness-raising, and engaging with past and present. 

 

Viewing this exhibition requires not only a look into the names of the artists and the aesthetic objects they have created here and now, but also to enter into an exploration of the references in the texts accompanying their artworks. The whole collection ‘mapping’ the cultural North results in a sort of encyclopedia leading into all kinds of ways and directions, bringing us to many places in the North, but maybe more importantly bringing us deep into our own mind and heart and our existential struggles therein. 

 

The artists have sought inspiration in the Northern countries Denmark, Norway, Sweden, Finland, Iceland, Siberia and Russia, or have moved even further North towards the North pole. They have investigated the concept of “North” as a representation and symbol. 

Not only is the Northern space extensively explored, the artworks also cover an extensive period of time. Artworks refer to megaliths from Neolithic era over traditions dating back to the 9th, 12th, 18th, 19th and 20th centuries and through today. The artistic investigation and dialogue extends into the epic, mythological and into shamanist traditions. It explores the evolution of mankind and its views on nature and science.

 

Musical references range from composer like Jean Sibelius, Edvard Grieg, Dmitri Shostakovich, and Peteris Vasks to shamanist Sami songs and to Jazz. Philosophical, literary and poetic traditions with Kierkegaard, Henrik Ibsen, Georg Buchner’s Woyzeck lead us to existentialism, social critique questioning the position of the individual human being in his or her relation to society and to ideological and knowledge systems. Inspiration from Northern art encompasses artists that have been innovative (Hilma af Klint was the first abstract painter before Wassily Kandinsky), existential (Edvard Munch), politically engaged (Hannah Ryggen), and artists deeply connected to nature (Akseli Gallen-Kallela). 

 

After viewing the exhibition, spectators will not only have learned about many rich northern artistic and cultural traditions, they will also have experienced each artist’s intense engagement with life, with society, with politic and global tendencies. Topics like global warming, rightist tendencies in societies today, the human condition and the existential crisis of mankind runs like a thread through the exhibition. In a variety of aesthetic languages these contemporary artists have shown respect and honor to the North and to their former colleagues and soulmates from times long gone. By connecting to the past they have created an exhibition that is highly contemporary holding the finger on the pulse today. With this exhibition they contribute to the wake-up call about the times we live in today. The coronavirus, the lockdown, the pressure in society, and with the global warming more of that to come, have hit us all. It has brought insecurity causing us the loose the “North” and our sense of direction. It forces us to existential reflections about what it means to be human. However, for millennia beauty and art have sparked human vitality. It will continue to sparkle our lives. That is our hope for the future.

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ark e.V. c/o Eva Maria Enders, Clemensstraße 16, 56068 Koblenz